atb Elektronische Steuerungen GmbH
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Surge Protection Device im Schaltschrank
Wie Überspannungsschutz nach UL 1449 und NFPA 79 richtig eingeplant wird
Warum ein SPD im Schaltschrank heute Pflicht ist
Industriemaschinen werden komplexer. Sicherheitskreise überwachen Türen, Not-Halt, Lichtgitter und weitere Schutzeinrichtungen. Genau diese Sicherheitskreise sind nach NFPA 79 in Verbindung mit dem NEC nur mit Überspannungsschutz zulässig. Für Maschinen mit Safety-Schaltungen verlangt die Norm Surge Protective Devices, um die Auswirkungen von transienten und schaltbedingten Überspannungen zu begrenzen.
Ohne SPD besteht das Risiko von Ausfällen von Sicherheitsrelais, Steuerungen oder Kommunikationsbaugruppen. Im ungünstigsten Fall kommt es zu einem Maschinenstillstand oder zu einer Beeinträchtigung der Sicherheitsfunktion.
Was ist ein Surge Protection Device
Ein Surge Protection Device, abgekürzt SPD, ist ein Schutzgerät, das kurzzeitige Überspannungen auf ein für angeschlossene Betriebsmittel verträgliches Niveau begrenzt und den zugehörigen Stoßstrom in das Erdungssystem ableitet.

Daniel Ernst
UL508A MTR / techn. Projektierung
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Wichtige Aspekte in der Anwendung:
Was ist eine Überspannung
In der Elektrotechnik liegt eine Überspannung vor, wenn die an einem System anliegende Spannung über der vorgesehenen Nennspannung des Systems liegt. Die Nennspannung ist vom Hersteller definiert und beschreibt den Spannungsbereich, in dem ein Gerät dauerhaft betrieben werden darf.
Wird dieser Bereich deutlich überschritten, können Isolationen durchschlagen, Bauteile thermisch überlastet werden oder Lichtbögen entstehen. Das führt zu defekten Komponenten sowie zu Sekundärschäden durch Brand oder Produktionsstillstand.
Überspannungsschutz ist kein Blitzschutz
Überspannungsschutz und Blitzschutz erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Ein SPD im Schaltschrank ersetzt keinen äußeren Blitzschutz und kein Blitzstromableitsystem. Es ergänzt diese Systeme und schützt die angeschlossenen Geräte und Schaltungen.
Technologien in Surge Protection Devices
SPDs nutzen unterschiedliche nichtlineare Bauelemente. In der Praxis werden häufig mehrere Technologien kombiniert, um Grob- und Feinschutz zu realisieren.
– Gasableiter (GDT)
Gasableiter bestehen aus einer mit Gas gefüllten Kapsel mit zwei oder drei Elektroden. Wird eine bestimmte Zündspannung überschritten, ionisiert das Gas und es entsteht ein leitender Plasmakanal. Der Widerstand fällt stark ab und der Stoßstrom fließt über den Gasableiter ab.
Typische Eigenschaften:
– Suppressordioden (TVS)
Transient Voltage Suppressor Dioden sind speziell ausgelegte Zener oder Avalanche Dioden. Sie werden parallel zu den zu schützenden Bauteilen geschaltet. Überschreitet die Spannung eine definierte Durchbruchspannung, werden sie leitend und begrenzen die Spannung sehr schnell.
Typische Eigenschaften:
– Varistoren (MOV)
Metalloxid-Varistoren bestehen meist aus Zinkoxid-Keramik. Ihr Widerstand ist spannungsabhängig.
Bei normaler Betriebsspannung ist der Widerstand hoch. Bei Überspannung sinkt der Widerstand stark ab, die Energie wird in Wärme umgesetzt und der Stoßstrom abgeleitet.
Typische Eigenschaften:
In modernen SPDs werden diese Technologien häufig kombiniert, zum Beispiel Gasableiter mit Varistor oder Varistor mit TVS.
So entsteht ein abgestufter Schutz mit angepasstem Schutzpegel.
Grob- und Feinschutz sinnvoll kombinieren
In der Praxis hat sich eine mehrstufige Schutzstrategie bewährt:
FAQ
Häufig gestellte Fragen zu UL-zertifizierten Schaltschränken

Für den Maschinenbau bedeutet das typischerweise:
SPD Typen nach UL 1449
Die UL 1449 ist die zentrale Produktnorm für Surge Protective Devices im nordamerikanischen Raum.
Sie definiert Begriffe, Prüfungen, Kennwerte und Kategorien von SPDs.
Wichtige Typen nach UL 1449:
Für industrielle Maschinen und Schaltschränke sind in der Regel Type 1 oder Type 2 Geräte relevant. Typ 2 SPDs werden häufig im Schaltschrank eingesetzt, um Steuerung und Sicherheitskreise gegen Überspannungen im Versorgungsnetz zu schützen.
NFPA 79 und die Pflicht zum SPD im Sicherheitskreis
Die NFPA 79 legt die Anforderungen an elektrische Ausrüstung von Industriemaschinen fest. In der Ausgabe 2018 wurde eine klare Forderung aufgenommen, die in der Ausgabe 2024 fortgeführt wird. Maschinen mit Sicherheitskreisen müssen mit Surge Protective Devices ausgerüstet werden, um die Auswirkungen von transienten Überspannungen und Schaltüberspannungen zu begrenzen.
Wichtige Punkte für die Planung:
Praktische Auswahlkriterien für ein SPD im Schaltschrank
Damit ein SPD im Schaltschrank nicht nur formal eine Normforderung erfüllt, sondern im Fehlerfall
wirksam schützt, sollten folgende Punkte beachtet werden:
Checkliste für Maschinen mit Sicherheitskreisen
Für Maschinen, die in den nordamerikanischen Markt geliefert werden, kann folgende Checkliste als Orientierung dienen:
Kurzfassung
Ein Surge Protection Device ist kein optionales Zubehör. Für Maschinen mit Sicherheitskreisen ist es nach NFPA 79 und den zugehörigen NEC-Vorgaben erforderlich. Ein richtig ausgewähltes und korrekt eingebautes SPD schützt Steuerungen, Sicherheitsbaugruppen und Kommunikationssysteme vor Ausfällen und reduziert das Risiko von Stillständen.
Wenn Netzsystem, Normanforderungen und Schutzbedarf früh in der Planung berücksichtigt werden, lässt sich Überspannungsschutz konsistent in das Gesamtkonzept des Schaltschranks integrieren. Auf diese Weise werden die UL-Anforderungen erfüllt und spätere Nacharbeiten reduziert.
